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18.11.2004
Nordbayerischer Kurier, Bayreuth, 14.11.
Zukunftsmodell Mann!
Klaus Wührl: Kabarett in der Tauritzmühle - Vom Haushalt
in die Politik
SPEICHERSDORF
Von Ulrike Sommerer
Kinder, Küche und Karriere. Klaus Wührl bringt das unter
einen Hut. Kinder hat er drei, sagt er. Küche wird
organisiert, der Haushalt als Management-Center. Und
Karriere macht er jetzt auf der Bühne: Klaus Wührl, "der
Hausmann", trat am Freitagabend in der Tauritzmühle auf, um
zu zeigen: Es geht. Kinder, Küche und Karriere lassen sich
vereinbaren.
Alles eine Frage der Organisation - lässt Wührl Männer und
vor allem Frauen wissen. Kochen, bügeln, putzen - das müsse
nur delegiert werden. An die Kinder nämlich, die sich für
diese Aufgaben nur allzu gern bewerben würden. Aha. "Den
Haushalt haben die Frauen bisher einfach immer so erledigt.
So kann es nicht weitergehen. Das muss doch mal auf eine
solide männliche Basis gestellt werden", verkündet Wührl und
sagt auch gleich, wie's geht. Bewerbungsgespräche,
Abmahnungen, präventive Verbote - ein Haushalt müsse als
Unternehmen geführt werden, dann ist das Ganze ein
Kinderspiel - im wahrsten Sinn des Wortes. Aha.
Zwischen Haushalt hat Wührl in seinem Programm viel Zeit für
Politik. Für Angela Merkel, Stoibers Cheerleader im
weiß-blauen Baströckerl, für die bayerische Opposition
("schade, dass die abgeschafft wurde"), für die Demokratie,
die in Bayern "Erfüllung des Ermächtnisses von Franz Josef
Strauß" heiße, für Amerika, die Berliner Mauer, für die
Bildungsreform, das Amigoschutzgesetz "im Volksmund auch als
Stoiber I bekannt", da alle Katastrophen durchnummeriert
werden würden: Könige, Weltkriege, Hartz.
Böse zum Kern der Dinge
Bitterböse greift er politisches
(Welt-)Geschehen auf, trifft dabei genau den Kern der Dinge
und den Nerv des Publikums, das sich immer wieder zum Lachen
und zu Zwischenrufen hinreißen ließ. In Kombination mit
einem Glühwein war Lachen an diesem Abend die beste Methode,
um im Tauritzmühlenkeller gegen die Kälte anzugehen.
Pausen im Zeitraffer
Wührl redet, redet, redet. In
unheimlichem Tempo springt er zwischen den Themen hin und
her, kann Gesagtes zurückspulen, noch einmal abrufen,
unterbricht sich selbst mit Werbepausen im Zeitraffer.
Dabei läuft er auf der Bühne auf und ab, ringt die Hände und
redet, redet, redet. Er spricht das Publikum an, reagiert
auf Zurufe und Speichersdorfer Besonderheiten wie das Fehlen
einer Fußgängerzone. Das alles macht Wührl, sagt er selbst,
natürlich nur, um berühmt zu werden.
Ideen, wie's geht, hat er genug . . . Nur an Zugaben fehlt
es. Aber in der Politik, und die mache ja einen großen Teil
seines Programmes aus, gebe es Zugaben ja schließlich auch
nicht.
Mit freundlicher Genehmigung von
Nordbayerischer Kurier, Bayreuth
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Kritik im Original-Bild
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