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01.02.2007

Sinn und Unsinn wirtschaft-licher Geschäftsideen

Der Kabarettist Klaus Wührl mit seinem "Leichenschmaus" und bitterbösen Anregungen zu Gast in Höfingen

Leonberg. "Der Hausmann" Klaus Wührl geht immer wieder an Grenzen - jene der politischen Korrektheit und des guten Geschmacks. Allerdings ist es genau das, was einen guten Kabarettisten auch auszeichnet, wie er in Höfingen gezeigt hat.

Von Gabriele Müller

Das Programm des Bayreuther Kabarettisten, zu dem der SPD-Arbeitskreis Höfingen eingeladen hatte, sorgte in der Aula der Grund- und Hauptschule für viel Gelächter und für ein volles Haus. Klaus Wührls samstäglicher "Leichenschmaus" hatte es in sich - nicht zuletzt, weil Vokabular und Gepflogenheiten aus dem Fränkischen für Schwaben nicht immer problemlos nachzuvollziehen waren.

Wührl, in den vergangenen Jahren mit verschiedenen Kleinkunstpreisen ausgezeichnet, würzt sein Programm - wie der Titel vermuten lässt - mit einer guten Portion schwarzen Humors. Diese Linie zieht der promovierte Ökonom mit Marketing-Erfahrung konsequent durch. Wie es sich für politisches Kabarett gehört, bekommen auch die Volksvertreter rechts und links ihr Fett weg. CSU-Minister Werner Schnappauf muss sich als "wandelndes Gammelfleisch" titulieren lassen. Edmund Stoiber, das "blonde Fallbeil", wird laut Wührl von Leichenfledderern zerlegt, ehe er begraben ist. Und zu Reden von Bundespräsident Horst Köhler empfiehlt er, Kissen und Schmusedecken mitzunehmen, um besser einzuschlafen.

"Auch Köhler ist keine schöne Leich"", schließt Wührl und hat damit noch immer keine Antwort auf die zentrale Frage, was denn nun eine "schöne Leich"" tatsächlich ist. Nachdem er auch Antworten wie "Claudia Schiffer" und "Heidi Klum" ausgeschlossen hat, gibt er schließlich des Rätsels Lösung preis: Es geht nicht um den toten Körper, sondern um eine Feier: den Leichenschmaus. Die von Wührl ausgiebig verwendete Kurzform ist, wie er sagt, eine "McKinsey-isierung" der Sprache, also eine Reduzierung nach wirtschaftlichen Gesicht-punkten.

Und damit ist er auf jener Schiene, die durchs gesamte, fast dreistündige Programm führen wird. Mit großer Überzeugungskraft stellt er seine Geschäftsidee der "global playing Household-Facility-Management Ich AG" vor, die "After Death Event Catering" betreibt, sprich: sich auf die zeitgemäße Gestaltung und Vermarktung des Leichenschmauses spezialisiert hat. Und weil Wührl "der Hausmann" ist, nutzt er seine Kinder als Marktforscher, die unter dem Deckmäntelchen von Sternsingen und Halloween herausfinden, wo es demnächst Kunden für ein solches Party-Event gibt. Ungerührt erklärt er, wie er sie auf diese Aufgabe vorbereitet: mit Gutenacht-Geschichten von Georg Trakl, Trauermärschen auf der Blockflöte, dem Basteln von Särgen und dem regelmäßigen Ausheben geeigneter Erdlöcher im Garten.

Nebenbei verteilt er Seitenhiebe auf Begriffe wie "Prekariat", die uner-freuliche Umstände beschönigen, nimmt die Bildungspolitik und die Globalisierung aufs Korn, den Rechtsruck in vielen Köpfen und immer wieder - das Gammelfleisch. Ganz köstlich sind seine Ausführungen, wie vom Haushalt geplagte Eltern lästige Pflichten als Assessment-Center verpacken und ihren Kindern als begehrenswerte Profilierungschance verkaufen sollen. Damit bringt er die Plagen des Alltagschaos" auf den Punkt und führt zudem die fast krankhafte wirtschaftliche Durchrationalisierung aller Lebensbereiche sowie den Einsatz zielgruppenorientierter Verkaufsstrategien ad absurdum. Der Mann weiß, von was er spricht. Da verzeiht man es ihm, wenn seine Kost stellenweise so scharf ist, dass man sie nicht ohne weiteres schlucken kann.

Aktualisiert: 30.01.2007, 06:05 Uhr
Stuttgarter Zeitung

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