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09.08.2007

Der Hausmann als Leiter der Bayreuther Richard Wagner Festspiele?

Bayreuth. Mit einem offenen Brief an den Stiftungsrat der Bayreuther Richard Wagner Festspiele hat sich der Kabarettist Klaus Wührl alias "Der Hausmann" als Nachfolger von Wolfgang Wagner um die Leitung der Festspiele beworben. Hier der Brief im Wortlaut.

OFFENER BRIEF
an den Stiftungsrat der Richard-Wagner-Festspiele
Bayreuth                

Bewerbung um die Stelle des Leiters der Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele

Sehr geehrte Damen und Herren des Stiftungsrates,

hiermit bewerbe ich mich zum nächstmöglichen Termin um die Stelle des Leiters der Bayreuther Festspiele.  

Als deutscher Staatsangehöriger war ich bis vor kurzem als Papst tätig, wie es seinerzeit ja unter anderem in der Bild-Zeitung auch publikums-wirksam verkündet wurde (Stichwort „Wir sind Papst“). Von diesem Amt bin ich jedoch vor kurzem mit sofortiger Wirkung zurückgetreten. Grund war die Rückkehr des Herrn Benedikt Nr. 16 auf die dunkle Seite der Macht, welcher er ja schon als Kardinal Damalsnochratzinger angehört hatte und die er offenkundig nur kurz im Rahmen seiner Inthronisations-feierlichkeiten verlassen oder unter einer Tarnkappe versteckt hat. Da ich selbst der nichtkirchlichen evangelisch-lutherischen Glaubens-gemeinschaft angehöre und grund-sätzlich den Islam für eine ebenso friedliche Religion halte wie alle anderen Weltreligionen und die überwiegende Mehrzahl seiner höheren Amtsträger für ebenso hirnlose Brandstifter wie diejenigen der meisten anderen Weltreligionen, habe ich mich zu diesem Schritt gezwungen gesehen.  

Stattdessen bin ich nun Wagner geworden.  

Ich möchte dies nicht als Abstieg werten, finde jedoch, dass mir als ehemaligem Papst nach Ausscheiden aus diesem Amt eine gewisse Freiheit der Namens- und Familienwahl zusteht. Da ich nunmehr also im Sinne einer Wahlverwandtschaft auch zur Familie Wagner gehöre, bewerbe ich mich wie bereits eingangs erwähnt um die Leitung der Bayreuther Festspiele.  

Meine Qualifikationen für diesen Posten sind überragend:  

Zunächst lebe ich bereits seit nahezu 30 Jahren ununterbrochen in Bayreuth. Mindestens zwei Mal wöchentlich habe ich in dieser Zeit Spaziergänge am Grünen Hügel inklusive je einer vollständigen Umrundung des Festspielhauses unternommen. Seit kurzem höre ich dabei dank meines neuen iPod Wagner-Opern (zugegebenermaßen illegal aus dem Internet heruntergeladen. Ich wäre aber im Falle einer Berufung bereit, dieses Verhältnis nachträglich zu legalisieren). Als Hausmann und langjähriger Vorstandsvorsitzender der Global-Playing-Household-Facility-Management-Ich-AG kann ich eine beispiellose Erfolgsbilanz in der Führung eines hoffnungs-losen Familienunternehmens vorweisen. Wie im engeren Kreis der Festspielleitung dem Hörensagen nach üblich, sind auch meine Manieren eher rudimentär aus-geprägt. Insbesondere was ebenso grundlose wie heftige Wutaus-brüche anbelangt, halte ich jedem Vergleich stand (als Referenz hierzu sei mein Middle-Management, im allgemeinen Sprachgebrauch auch als „Kinder“ bekannnt, angeführt). Oberfränkische Sturschädeligkeit, genetisch bedingte überdimensionale Nase, künstlerische Accessoires (Bart statt Barett) sowie familiäre Langlebigkeit (keiner meiner mir bekannten Vorfahren, der eines natürlichen Todes starb, tat dies vor seinem 81sten Geburtstag) sind mir ebenfalls eigen.  

Konzeptionell würden die Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele unter meiner Leitung erheblichen Aufschwung nehmen können. Zum einen würde ich vollkommen unbelastet von jeglicher Werk- oder Rezeptionskenntnis frischen Wind in Inszenierung, musikalische Umsetzung und Management bringen. Zum anderen könnte ich den Gästen einen erheblichen Mehrwert bieten, da die üblichen zwei, je einstündigen Pausen bequem ausreichen würden, mein Kabarettprogramm zu spielen. Bei ca. zwei Mal 45 Minuten Spieldauer bliebe den Gästen noch ausreichend Zeit, in jeder Pause ein Paar Bayreuther Bratwürste und ein Seidla Bier entspannt zu genießen (im Selbstversuch konnte in der fraglichen Zeit sogar die zweieinhalbfache Menge konsumiert werden).  

Da ich bereits zum jetzigen Zeitpunkt über eine zahlreiche Nachkommen-schaft beiderlei Geschlechts verfüge, wäre auch die Übergabe der Festspielleitung an die nächst-folgende Generation sicherge-stellt. Sollte es hierzu aus Gründen der Öffentlichkeitswirksamkeit erfor-derlich sein, weitere Kinder mit einer erheblich jüngeren, ggf. später zu ehelichenden, Geliebten zu zeugen, wäre ich nach Rücksprache mit meiner aktuellen Frau auch hierzu, entsprechende Auswahl an potenziellen Kandidatinnen voraus-gesetzt, gerne bereit.  

In der Gehaltsfrage möchte ich ein gewisses Entgegenkommen signali-sieren. Als Kleinkünstler bin ich es gewohnt, für einen Anteil der Eintrittsgelder (üblicherweise 70% für mich, 30% für Veranstalter) zu spielen. Ich wäre daher mit einer Regelung, derzufolge mein Gehalt schlicht und einfach 70% der Eintrittsgelder der Bayreuther Festspiele beträgt, durchaus ein-verstanden. Sollte ich mein Amt deutlich vor Beginn der Festspielzeit antreten dürfen, wäre ich allerdings für einen kleinen Vorschuss nicht undankbar.  

Dass ich auch in puncto künstlerisches Niveau meinen Kon-kurrentinnen wie z.B. Frau Katharina Wagner in nichts nachstehe, zeigt beiliegende Fotografie: Auch ich kann Bilder in Schwarz und Weiß vorlegen, die mit der Realität nur sehr entfernt zu tun haben.  

Mit freudig erregter Spannung sehe ich Ihrer Antwort entgegen und verbleibe bis dahin mit einem wagner´schen
Hojodüdeldidodeldüho (oder war das doch Loriot?)        

Klaus Wührl

Brief als pdf zum Download

Bericht Nordbayerischer Kurier, Bayreuth

Bericht Neue Presse Coburg, pdf

Leserbrief Nordbayerischer Kurier, Bayreuth

Antwort auf Leserbrief E. Wagner

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