Der Hausmann als Leiter der Bayreuther Richard Wagner
Festspiele?
Bayreuth.
Mit einem offenen Brief an den Stiftungsrat der
Bayreuther Richard Wagner Festspiele hat sich der
Kabarettist Klaus Wührl alias "Der Hausmann" als
Nachfolger von Wolfgang Wagner um die Leitung der
Festspiele beworben. Hier der Brief im Wortlaut.
OFFENER BRIEF
an den Stiftungsrat der
Richard-Wagner-Festspiele
Bayreuth
Bewerbung um die Stelle des Leiters der
Bayreuther Richard-Wagner-Festspiele
Sehr geehrte Damen und Herren des Stiftungsrates,
hiermit bewerbe ich mich zum nächstmöglichen Termin um
die Stelle des Leiters der Bayreuther Festspiele.
Als deutscher Staatsangehöriger war ich bis vor
kurzem als Papst tätig, wie es seinerzeit ja
unter anderem in der Bild-Zeitung auch publikums-wirksam
verkündet wurde (Stichwort „Wir sind Papst“). Von diesem
Amt bin ich jedoch vor kurzem mit sofortiger Wirkung
zurückgetreten. Grund war die Rückkehr des Herrn
Benedikt Nr. 16 auf die dunkle Seite der Macht, welcher
er ja schon als Kardinal Damalsnochratzinger angehört
hatte und die er offenkundig nur kurz im Rahmen seiner
Inthronisations-feierlichkeiten verlassen oder unter
einer Tarnkappe versteckt hat. Da ich selbst der
nichtkirchlichen evangelisch-lutherischen Glaubens-gemeinschaft
angehöre und grund-sätzlich den Islam für eine ebenso
friedliche Religion halte wie alle anderen
Weltreligionen und die überwiegende Mehrzahl seiner
höheren Amtsträger für ebenso hirnlose Brandstifter wie
diejenigen der meisten anderen Weltreligionen, habe ich
mich zu diesem Schritt gezwungen gesehen.
Stattdessen bin ich nun Wagner geworden.
Ich möchte dies nicht als Abstieg werten, finde jedoch,
dass mir als ehemaligem Papst nach Ausscheiden aus
diesem Amt eine gewisse Freiheit der Namens- und
Familienwahl zusteht. Da ich nunmehr also im Sinne einer
Wahlverwandtschaft auch zur Familie Wagner gehöre,
bewerbe ich mich wie bereits eingangs erwähnt um die
Leitung der Bayreuther Festspiele.
Meine Qualifikationen für diesen Posten sind
überragend:
Zunächst lebe ich bereits seit nahezu 30 Jahren
ununterbrochen in Bayreuth. Mindestens zwei Mal
wöchentlich habe ich in dieser Zeit Spaziergänge am
Grünen Hügel inklusive je einer vollständigen Umrundung
des Festspielhauses unternommen. Seit kurzem höre ich
dabei dank meines neuen iPod Wagner-Opern
(zugegebenermaßen illegal aus dem Internet
heruntergeladen. Ich wäre aber im Falle einer Berufung
bereit, dieses Verhältnis nachträglich zu legalisieren).
Als Hausmann und langjähriger Vorstandsvorsitzender der
Global-Playing-Household-Facility-Management-Ich-AG kann
ich eine beispiellose Erfolgsbilanz in der
Führung eines hoffnungs-losen Familienunternehmens
vorweisen. Wie im engeren Kreis der Festspielleitung dem
Hörensagen nach üblich, sind auch meine Manieren eher
rudimentär aus-geprägt. Insbesondere was ebenso
grundlose wie heftige Wutaus-brüche anbelangt,
halte ich jedem Vergleich stand (als Referenz hierzu sei
mein Middle-Management, im allgemeinen Sprachgebrauch
auch als „Kinder“ bekannnt, angeführt). Oberfränkische
Sturschädeligkeit, genetisch bedingte überdimensionale
Nase, künstlerische Accessoires (Bart statt Barett)
sowie familiäre Langlebigkeit (keiner meiner mir
bekannten Vorfahren, der eines natürlichen Todes starb,
tat dies vor seinem 81sten Geburtstag) sind mir
ebenfalls eigen.
Konzeptionell würden die Bayreuther
Richard-Wagner-Festspiele unter meiner Leitung
erheblichen Aufschwung nehmen können. Zum einen würde
ich vollkommen unbelastet von jeglicher Werk- oder
Rezeptionskenntnis frischen Wind in
Inszenierung, musikalische Umsetzung und Management
bringen. Zum anderen könnte ich den Gästen einen
erheblichen Mehrwert bieten, da die üblichen
zwei, je einstündigen Pausen bequem ausreichen würden,
mein Kabarettprogramm zu spielen. Bei ca. zwei Mal 45
Minuten Spieldauer bliebe den Gästen noch ausreichend
Zeit, in jeder Pause ein Paar Bayreuther Bratwürste und
ein Seidla Bier entspannt zu genießen (im Selbstversuch
konnte in der fraglichen Zeit sogar die zweieinhalbfache
Menge konsumiert werden).
Da ich bereits zum jetzigen Zeitpunkt über eine
zahlreiche Nachkommen-schaft beiderlei Geschlechts
verfüge, wäre auch die Übergabe der
Festspielleitung an die nächst-folgende Generation
sicherge-stellt. Sollte es hierzu aus Gründen
der Öffentlichkeitswirksamkeit erfor-derlich sein,
weitere Kinder mit einer erheblich jüngeren, ggf. später
zu ehelichenden, Geliebten zu zeugen, wäre ich nach
Rücksprache mit meiner aktuellen Frau auch hierzu,
entsprechende Auswahl an potenziellen Kandidatinnen
voraus-gesetzt, gerne bereit.
In der Gehaltsfrage möchte ich ein gewisses
Entgegenkommen signali-sieren. Als Kleinkünstler bin ich
es gewohnt, für einen Anteil der Eintrittsgelder
(üblicherweise 70% für mich, 30% für Veranstalter) zu
spielen. Ich wäre daher mit einer Regelung, derzufolge
mein Gehalt schlicht und einfach 70% der
Eintrittsgelder der Bayreuther Festspiele
beträgt, durchaus ein-verstanden. Sollte ich mein Amt
deutlich vor Beginn der Festspielzeit antreten dürfen,
wäre ich allerdings für einen kleinen Vorschuss nicht
undankbar.
Dass ich auch in puncto künstlerisches Niveau meinen
Kon-kurrentinnen wie z.B. Frau Katharina Wagner in
nichts nachstehe, zeigt beiliegende Fotografie: Auch ich
kann Bilder in Schwarz und Weiß vorlegen, die mit der
Realität nur sehr entfernt zu tun haben.
Mit freudig erregter Spannung sehe ich Ihrer Antwort
entgegen und verbleibe bis dahin mit einem wagner´schen
Hojodüdeldidodeldüho (oder war das doch Loriot?)
Klaus Wührl
Brief als pdf zum Download
Bericht Nordbayerischer Kurier, Bayreuth
Bericht Neue Presse Coburg, pdf
Leserbrief Nordbayerischer Kurier, Bayreuth
Antwort auf Leserbrief E. Wagner