Erfolgreiche Premiere für Pickelcreme_2.0
"Rasanter Rundumschlag mit globaler Pickelcreme"
titelte der Nordbayerische Kurier nach der Premiere von
Pickelcreme_2.0 im Podium Bayreuth. Und weiter war zu
lesen:
"Es wimmelt nur so von hals- und zungenbrecherischen
Wortschöpfungen im neuen Programm des Bayreuther
Kabarettisten Klaus Wührl, das er am Freitagabend im
Podium vorstellte. Ausgehend von der „Pickelcreme 2.0“,
die dessen „Gören“ morgens und abends allzu reichlich
verschmieren, katapultiert er die Fantasie der Zuhörer
mit verbaler Lichtgeschwindigkeit, bei der er selbst
gelegentlich zungentechnisch ins Stolpern gerät, von
häuslichen Ungereimtheiten über politische Parteipickel
hinaus ins pubertierende Universum – von der
Kindergeldfestsetzungsgrundlage über das
Erektionsmangelkompensationsgerät hin zur
Lebensmittelinhaltsstoffkennzeichnungs-pflicht. So
richtig deutsche Pickel (schwarz der Mitesser, rot die
Entzündung, gold der Eiter) sieht er auch in der FDP
(„flach, dreist, privat versichert“), die mit ihrer
Pumpgun namens Neoliberalismus ein Blutbad anrichte und,
wenn alle in der Blutlache liegen, als rettender
Sanitäter erscheine. In affenartiger Geschwindigkeit
springt Wührl weiter zur Analyse des Übergewichts, das
den Deutschen bei rückläufigen Geburtszahlen immerhin
die Masse erhält. „Bildung und Geld“, behauptet er,
„sind regelrechte Fatburner.“ Woraus er wiederum den
Umkehrschluss zieht, dass Dumme eher fett werden. Oder
umgekehrt. Natürlich habe auch diese von ihm
aufgestellte Argumentationsreihe, die auch das
qualitativ anspruchslose Fernsehprogramm mit
einschließt, Ausnahmen. Wie Ottfried Fischer
beispielsweise. Wobei sich auch hier das Problem mit der
Henne und dem Ei ergebe. Wer war zuerst da? Waren die
Leute zuerst blöd und schauen sich deshalb diese
Sendungen an oder sind sie blöd geworden, weil sie sich
diese Sendungen ansehen, fragt sich Wührl dabei. Ab der
Mitte des Programms bezieht der Kabarettist das
zahlreich erschienene Publikum mit ein, was mal mehr,
mal weniger klappt. Um das Kindersterben in der Dritten
Welt anzuprangern, wagt er einige spekulative
Schlussfolgerungen, denen zu folgen aufgrund der
Vortragsgeschwindigkeit höchste Konzentration erfordert.
Auch für Wührl selbst. Dazu hat er sein außerordentlich
umfangreiches Manuskript für zwei Stunden
Schnellsprechen vor sich ausgebreitet – so konnte auch
er gelegentlich spicken. eba"
Quelle:
Nordbayerischer Kurier Bayreuth, 16.3.2009, Seite 17
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