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27.10.2009

Bock auf Hausmanns Kost Starkbieranstich und Derblecken beim Becher-Bräu

von Sandra Buchwald

Bayreuth. Doppelte Premiere am Sonntag Abend im Becher-Saal: Jungwirt Johannes Hacker präsentierte sein erstes Bockbier und Kabarettist Klaus Wührl verband seinen satirischen Monatsrückblick erstmals mit dem Bockbieranstich – für die Gäste im proppenvollen Becher-Saal die perfekte Kombination aus Gaumenfreude und Lachmuskeltraining.

„Wir haben Bock auf Bock.“ Assistiert von Wirt „Johnny“ Hacker brauchte Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl nur zwei Schläge, um das würzige Starkbier fließen zu lassen. Hohl half auch tatkräftig beim Ausschenken des Freibieres, bevor Comedian Klaus Wührl mit seinem monatlichen kabarettistischen Rundumschlag begann.

Es hatte fast ein wenig den Anschein, als hätte die Bayreuther Politprominenz den scharfzüngigen Spott Wührls gescheut. Außer OB Hohl hatten sich nur Bürgermeisterin Dr. Beate Kuhn, Gerhard Gollner (BG) und Andreas Küffner (BT go!) in die Höhle des Löwen gewagt und hielten dem Derblecken würdevoll stand. Doch egal, ob die kommunalpolitische Elite nun vertreten war oder nicht – alle bekamen bei dem mit klug gesetzten Pointen und zielsicheren Spitzen gespickten Programm ihr Fett weg. Allen voran natürlich der Stadtrat. Wührl schickte den stets palavernden Rat erst einmal in den Keller zur Gruppentherapie. Indikationen für die therapeutische Maßnahme machte er genügend aus: Die Innenstadtsanierung („des wird nix“) hielt der Kabarettist für ebenso pathologisch wie die geplante intelligente Grüne Welle im Stadtverkehr: „Mir tät schon eine normale reichen, Hauptsach’, die funktioniert“, grinste Wührl und erntete dafür ein zustimmendes Kopfnicken des schmunzelnden Oberbürgermeisters.

Auch am Bayreuther Slogan „Stadt der KulturFreude“ biss sich der Satiriker hartnäckig fest und suchte mit sichtlichem Vergnügen nach nicht vorhandenen kulturellen Glanzlichtern. Für eine Stadt mit 20 000 Einwohnern wäre das Angebot richtig gut, spottete Wührl diebisch grinsend und konnte sich auch den Seitenhieb in Richtung Grüner Hügel nicht verkneifen: „Aweng Fähnlaschwingen an der Auffahrt bei der jährlichen Premiere“ reiche für eine Kulturstadt dann doch nicht ganz.

In einer urkomischen Mischung aus griechischer Tragödie und Comedy beleuchtete der bei seinem Monatsabwasch mit Garfield-Kochschürze ausgerüstete Hausmann Wührl die bayerische Landespolitik. Während insbesondere Oberfranken zu den Niederungen des Hades zähle, sei im Oberbayerischen der Olymp zu finden, in dem Politgötter wie „Zeushofer“ und „Zeusverstoiber“ bis ans andere Ende der Welt – also Bayern – herrschten.

Die Stimmenverluste der Sozialdemokraten versuchte Wührl, mit höchst eigener Logik zu relativieren: „Wenn die SPD so viel Stimmen verlieren würde wie die Union, hätte sie in der kommenden Legislaturperiode Schulden.“ Sein Fett bekam auch „Zeushofer“ weg. Ihm bescheinigte Wührl aufgrund schwacher Leistungen nur noch Halbgottstatus, so dass „Horstakles“ wohl besser im Bayreuther Stadtrat aufgehoben wäre.

Auch mit der Leistung moderner deutscher Einbrecher ging das Bayreuther Comedy-Original hart ins Gericht und sorgte mit seinen Pleiten, Pech und Pannen-Storys von Einbrüchen für Lachtränen beim Publikum. Nur für den Fall, dass ein Einbrecher im Saal sei, wartete Wührl mit einem wertvollen Tipp auf: „In unseren Breiten haben Häuser in der Regel Türen – seien Sie auf diese Situation vorbereitet.“ Wührl verlor trotz seines unermüdlichen Großangriffs auf die Lachmuskeln seiner Zuhörer nie seine unendlich scheinende Energie und sein Gespür für die witzige Interaktion. Selbst nach kurzen Intermezzi, in denen die BayReiter mit fetzigen Melodien die Bude rockten, brauchte der Kabarettist keine zwei Sekunden, um den berühmten Funken wieder überspringen.

Den Kreativpreis des Monats verlieh er an die Pharmaindustrie. Die hätte nun Millionen durch Impfstoffe und Medikamente verdient. „Und jetzt kriegt kein Schwein die Grippe.“ sb

Zum Original-Bericht des Nordbayerischen Kuriers

Mit freundlicher Genehmigung des Nordbayerischen Kurier, Bayreuth

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