Bock auf Hausmanns Kost
Starkbieranstich und
Derblecken beim Becher-Bräu
von Sandra Buchwald
Bayreuth. Doppelte Premiere am Sonntag
Abend im Becher-Saal: Jungwirt Johannes Hacker
präsentierte sein erstes Bockbier und Kabarettist Klaus
Wührl verband seinen satirischen Monatsrückblick
erstmals mit dem Bockbieranstich – für die Gäste im
proppenvollen Becher-Saal die perfekte Kombination aus
Gaumenfreude und Lachmuskeltraining.
„Wir haben Bock auf Bock.“ Assistiert von Wirt „Johnny“
Hacker brauchte Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl nur
zwei Schläge, um das würzige Starkbier fließen zu
lassen. Hohl half auch tatkräftig beim Ausschenken des
Freibieres, bevor Comedian Klaus Wührl mit seinem
monatlichen kabarettistischen Rundumschlag begann.
Es hatte fast ein wenig den Anschein, als hätte die
Bayreuther Politprominenz den scharfzüngigen Spott
Wührls gescheut. Außer OB Hohl hatten sich nur
Bürgermeisterin Dr. Beate Kuhn, Gerhard Gollner (BG) und
Andreas Küffner (BT go!) in die Höhle des Löwen gewagt
und hielten dem Derblecken würdevoll stand. Doch egal,
ob die kommunalpolitische Elite nun vertreten war oder
nicht – alle bekamen bei dem mit klug gesetzten Pointen
und zielsicheren Spitzen gespickten Programm ihr Fett
weg. Allen voran natürlich der Stadtrat. Wührl schickte
den stets palavernden Rat erst einmal in den Keller zur
Gruppentherapie. Indikationen für die therapeutische
Maßnahme machte er genügend aus: Die Innenstadtsanierung
(„des wird nix“) hielt der Kabarettist für ebenso
pathologisch wie die geplante intelligente Grüne Welle
im Stadtverkehr: „Mir tät schon eine normale reichen,
Hauptsach’, die funktioniert“, grinste Wührl und erntete
dafür ein zustimmendes Kopfnicken des schmunzelnden
Oberbürgermeisters.
Auch am Bayreuther Slogan „Stadt der KulturFreude“ biss
sich der Satiriker hartnäckig fest und suchte mit
sichtlichem Vergnügen nach nicht vorhandenen kulturellen
Glanzlichtern. Für eine Stadt mit 20 000 Einwohnern wäre
das Angebot richtig gut, spottete Wührl diebisch
grinsend und konnte sich auch den Seitenhieb in Richtung
Grüner Hügel nicht verkneifen: „Aweng Fähnlaschwingen an
der Auffahrt bei der jährlichen Premiere“ reiche für
eine Kulturstadt dann doch nicht ganz.
In einer urkomischen Mischung aus griechischer Tragödie
und Comedy beleuchtete der bei seinem Monatsabwasch mit
Garfield-Kochschürze ausgerüstete Hausmann Wührl die
bayerische Landespolitik. Während insbesondere
Oberfranken zu den Niederungen des Hades zähle, sei im
Oberbayerischen der Olymp zu finden, in dem Politgötter
wie „Zeushofer“ und „Zeusverstoiber“ bis ans andere Ende
der Welt – also Bayern – herrschten.
Die Stimmenverluste der Sozialdemokraten versuchte
Wührl, mit höchst eigener Logik zu relativieren: „Wenn
die SPD so viel Stimmen verlieren würde wie die Union,
hätte sie in der kommenden Legislaturperiode Schulden.“
Sein Fett bekam auch „Zeushofer“ weg. Ihm bescheinigte
Wührl aufgrund schwacher Leistungen nur noch
Halbgottstatus, so dass „Horstakles“ wohl besser im
Bayreuther Stadtrat aufgehoben wäre.
Auch mit der Leistung moderner deutscher Einbrecher ging
das Bayreuther Comedy-Original hart ins Gericht und
sorgte mit seinen Pleiten, Pech und Pannen-Storys von
Einbrüchen für Lachtränen beim Publikum. Nur für den
Fall, dass ein Einbrecher im Saal sei, wartete Wührl mit
einem wertvollen Tipp auf: „In unseren Breiten haben
Häuser in der Regel Türen – seien Sie auf diese
Situation vorbereitet.“ Wührl verlor trotz seines
unermüdlichen Großangriffs auf die Lachmuskeln seiner
Zuhörer nie seine unendlich scheinende Energie und sein
Gespür für die witzige Interaktion. Selbst nach kurzen
Intermezzi, in denen die BayReiter mit fetzigen Melodien
die Bude rockten, brauchte der Kabarettist keine zwei
Sekunden, um den berühmten Funken wieder überspringen.
Den Kreativpreis des Monats verlieh er an die
Pharmaindustrie. Die hätte nun Millionen durch
Impfstoffe und Medikamente verdient. „Und jetzt kriegt
kein Schwein die Grippe.“ sb
Zum
Original-Bericht des Nordbayerischen Kuriers
Mit freundlicher Genehmigung des Nordbayerischen Kurier,
Bayreuth