Von schwarzen Löchern und grünen Wellen
Abwasch des Jahres mit
Kabarettist Klaus Wührl
von Sandra Buchwald
BAYREUTH. So ein Großputz kurz
vorm Jahreswechsel hat ja bekanntlich noch nie
geschadet. Den satirischen Wischlappen schwang am
Sonntag Kabarettist („der Hausmann“) Klaus Wührl. Ob
Stars, Sternchen oder die städtischen Würdenträger – sie
alle bekamen beim gründlichen Jahresabwasch im
proppenvollen Becher-Saal ihr Fett weg. Auch wenn die
Hütte ausverkauft war – das Fehlen der heimischen
Politprominenz war unübersehbar. Aus dem Stadtrat –
zugegeben eine bevorzugte Zielscheibe Wührls – trauten
sich nur Brigitte Merk-Erbe und Gerhard Gollner in die
Höhle des Löwen. Und hatten sichtlichen Spaß an den
verbalen Rundumschlägen des kabarettistischen
Energiebündels, dessen Abwasch vom Duo Broken Feelings
mit Rock- und Popklassikern bestens umrahmt wurde.
„Irgendwie sind wir doch seit Anfang des Jahres alle ein
bisschen Obama“, begann der Hausmann seinen Rückblick
auf 2009 – nicht ohne bei der Wahl des Präsidenten
gleich eine „weltgeschichtliche Paradoxie“ auszumachen:
In Amerika ziehe der erste Schwarze ins Weiße Haus ein,
während in Bayern bald der letzte Schwarze aus dem
Maximilianeum ausziehe, schmunzelte Wührl.
Allerdings, so philosophierte er weiter, sei es ja gar
nicht sicher ob das Jahr 2009 tatsächlich stattgefunden
habe. Sollte das Jahr in einem schwarzen Loch
verschwunden sein, wäre dies in Bayern womöglich gar
nicht aufgefallen. Schwarze – „ob Hohl mit oder ohne
-meier“ – gebe es auf jeden Fall genug.
Schnitzel hat Fieber
Mit Sicherheit auffallen werde aber der geplante
Marktplatzumbau. Neben den quadratisch geformten
Baumschirmen („wenn das Bayreuth hat, kann es schon mal
nicht der neueste Schrei sein“) und dem sicherlich am
Modellprojekt des Kanalbaus in Krögelstein orientierten
Bachlauf hatte Wührl besonders für die Farbgebung am
Markt eigenwillige Ideen: „Schwarz-gelb kleinkariert“
schlug er unter dem Gelächter seines Publikums vor.
Nach den Städteplanern traf der Spott des Hausmannes
auch das städtische Gesundheitsamt. Dem ahnungslosen
„Kompetenzcenter in Sachen Schweinegrippe“ müsse man
aufgrund der Verharmlosung des Impfstoffes („rein
natürliche Substanzen“) und der Panikmache vor dem Virus
zukünftig auch ganz andere Dinge zutrauen: „Mich würde
es nicht wundern, wenn die demnächst anfangen, bei einem
Schnitzel Fieber zu messen.“
Selbstverständlich machte Wührls satirischer Höhenflug
auch in Berlin Station, wo sich der Kabarettist über die
Neubesetzung der Ministerriege ausließ. Hier verriet der
Hausmann seinen johlenden Zuhörern, dass sich die
familienpolitische Erfahrung von „Familienküken“
Kristina Köhler auf das Schreiben von
Hochzeitseinladungen beziehe. Und auch Frischling Phi
lipp Rösler bekam zum Vergnügen des Publikums seine
Abreibung: „Dass der so glatt ist wie ein Zäpfchen,
qualifiziert ihn nicht unbedingt zum
Gesundheitsminister.“
Zum „oberfränkischen Obama“ machte Klaus Wührl
Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der ja
auch schwarz und jung sei. Obwohl es „aweng blöd“ sei,
in Zusammenhang mit Guttenberg über „Jung“ zu reden, da
er ja schließlich „über den gestolpert ist“, lästerte
der Hausmann.
Auch über die zahlreichen Jubiläen im Jahr 2009 wusste
er einiges zu sagen. Neben dem Zwanzigjährigen des
Mauerfalls begeisterte den blonden und schnauzbärtigen
Wührl vor allem das 50-jährige Jubiläum seines
Doppelgängers Asterix sowie der 40. Geburtstag der
Sesamstraße. Letztere käme ihm eigentlich gar nicht so
jung vor, grinste er verschlagen: „Was hat Bernd Mayer
eigentlich gemacht, bevor er als Krümelmonster gehen
konnte?“
Hart ging der standesgemäß mit Kochschürze angetretene
Hausmann mit unerwünschten Zusätzen in Nahrungsmitteln
ins Gericht. Pizzen mit „mehr Gummi als ein Satz
Autoreifen“ seien ebenso anzutreffen wie
Formvorderschinken, der aufgrund seiner chemischen
Zusammensetzung auch für Vegetarier geeignet sei. Genial
der Vergleich, den Wührl zwischen Analogkäse und der
städtischen Verkehrsplanung zog: Das künstliche
Lebensmittel sei wie die grüne Welle in Bayreuth:
„Analog und ein Käse obendrein.“
Zum
Original-Bericht des Nordbayerischen Kuriers
Mit freundlicher Genehmigung des Nordbayerischen Kurier,
Bayreuth