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29.12.2009

Von schwarzen Löchern und grünen Wellen

Abwasch des Jahres mit Kabarettist Klaus Wührl

von Sandra Buchwald

BAYREUTH.  So ein Großputz kurz vorm Jahreswechsel hat ja bekanntlich noch nie geschadet. Den satirischen Wischlappen schwang am Sonntag Kabarettist („der Hausmann“) Klaus Wührl. Ob Stars, Sternchen oder die städtischen Würdenträger – sie alle bekamen beim gründlichen Jahresabwasch im proppenvollen Becher-Saal ihr Fett weg. Auch wenn die Hütte ausverkauft war – das Fehlen der heimischen Politprominenz war unübersehbar. Aus dem Stadtrat – zugegeben eine bevorzugte Zielscheibe Wührls – trauten sich nur Brigitte Merk-Erbe und Gerhard Gollner in die Höhle des Löwen. Und hatten sichtlichen Spaß an den verbalen Rundumschlägen des kabarettistischen Energiebündels, dessen Abwasch vom Duo Broken Feelings mit Rock- und Popklassikern bestens umrahmt wurde. „Irgendwie sind wir doch seit Anfang des Jahres alle ein bisschen Obama“, begann der Hausmann seinen Rückblick auf 2009 – nicht ohne bei der Wahl des Präsidenten gleich eine „weltgeschichtliche Paradoxie“ auszumachen: In Amerika ziehe der erste Schwarze ins Weiße Haus ein, während in Bayern bald der letzte Schwarze aus dem Maximilianeum ausziehe, schmunzelte Wührl.

Allerdings, so philosophierte er weiter, sei es ja gar nicht sicher ob das Jahr 2009 tatsächlich stattgefunden habe. Sollte das Jahr in einem schwarzen Loch verschwunden sein, wäre dies in Bayern womöglich gar nicht aufgefallen. Schwarze – „ob Hohl mit oder ohne -meier“ – gebe es auf jeden Fall genug.

Schnitzel hat Fieber

Mit Sicherheit auffallen werde aber der geplante Marktplatzumbau. Neben den quadratisch geformten Baumschirmen („wenn das Bayreuth hat, kann es schon mal nicht der neueste Schrei sein“) und dem sicherlich am Modellprojekt des Kanalbaus in Krögelstein orientierten Bachlauf hatte Wührl besonders für die Farbgebung am Markt eigenwillige Ideen: „Schwarz-gelb kleinkariert“ schlug er unter dem Gelächter seines Publikums vor.

Nach den Städteplanern traf der Spott des Hausmannes auch das städtische Gesundheitsamt. Dem ahnungslosen „Kompetenzcenter in Sachen Schweinegrippe“ müsse man aufgrund der Verharmlosung des Impfstoffes („rein natürliche Substanzen“) und der Panikmache vor dem Virus zukünftig auch ganz andere Dinge zutrauen: „Mich würde es nicht wundern, wenn die demnächst anfangen, bei einem Schnitzel Fieber zu messen.“

Selbstverständlich machte Wührls satirischer Höhenflug auch in Berlin Station, wo sich der Kabarettist über die Neubesetzung der Ministerriege ausließ. Hier verriet der Hausmann seinen johlenden Zuhörern, dass sich die familienpolitische Erfahrung von „Familienküken“ Kristina Köhler auf das Schreiben von Hochzeitseinladungen beziehe. Und auch Frischling Phi lipp Rösler bekam zum Vergnügen des Publikums seine Abreibung: „Dass der so glatt ist wie ein Zäpfchen, qualifiziert ihn nicht unbedingt zum Gesundheitsminister.“

Zum „oberfränkischen Obama“ machte Klaus Wührl Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, der ja auch schwarz und jung sei. Obwohl es „aweng blöd“ sei, in Zusammenhang mit Guttenberg über „Jung“ zu reden, da er ja schließlich „über den gestolpert ist“, lästerte der Hausmann.

Auch über die zahlreichen Jubiläen im Jahr 2009 wusste er einiges zu sagen. Neben dem Zwanzigjährigen des Mauerfalls begeisterte den blonden und schnauzbärtigen Wührl vor allem das 50-jährige Jubiläum seines Doppelgängers Asterix sowie der 40. Geburtstag der Sesamstraße. Letztere käme ihm eigentlich gar nicht so jung vor, grinste er verschlagen: „Was hat Bernd Mayer eigentlich gemacht, bevor er als Krümelmonster gehen konnte?“

Hart ging der standesgemäß mit Kochschürze angetretene Hausmann mit unerwünschten Zusätzen in Nahrungsmitteln ins Gericht. Pizzen mit „mehr Gummi als ein Satz Autoreifen“ seien ebenso anzutreffen wie Formvorderschinken, der aufgrund seiner chemischen Zusammensetzung auch für Vegetarier geeignet sei. Genial der Vergleich, den Wührl zwischen Analogkäse und der städtischen Verkehrsplanung zog: Das künstliche Lebensmittel sei wie die grüne Welle in Bayreuth: „Analog und ein Käse obendrein.“

Zum Original-Bericht des Nordbayerischen Kuriers

Mit freundlicher Genehmigung des Nordbayerischen Kurier, Bayreuth

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