Olympisches Flair beim Monatsabwasch
La-Ola-Wellen für Klaus Wührl im
Bechersaal
von Sandra Buchwald
BAYREUTH. Pünktlich zum
Monatsabwasch war der olympische Geist von Vancouver
direkt in den Bechersaal geschwappt. Von „Hausmann“
Klaus Wührl in „freischaffende Fans“ umfunktioniert,
glänzten seine Gäste mit sportlichen Einlagen von
Curlingeinsätzen über Skispringen bis zu
Eiskunstlaufposen und belohnten die besten Gags des
Kabarettisten mit ausgiebigen La-Ola-Wellen.
„In Vancouver waren Winterspiele, bei uns war der Winter
echt“, erinnerte der traditionell mit Küchenschürze
angetretene Wührl ans Schnee chaos der vergangenen
Wochen. Natürlich nicht ohne einen Seitenhieb gegen den
städtischen Schnee räumdienst. Der habe zwar immer mit
einem Lawinenabgang am Buchstein gerechnet, ansonsten
den Schnee auf Straßen und Gehsteigen eher ignoriert.
Frei nach der Devise: Der ärgert sich dann und geht von
alleine. Bestens vom Gitarrensound und dem schrägen
Polithumor der Band B3B1B unterstützt, widmete sich der
spottende Hausmann beim Februarabwasch besonders wüsten
Ehedesastern – allen voran dem Bayreuther, der wegen
Randale seine Hochzeitsnacht in der Ausnüchterungszelle
verbringen musste. Gesundheitsminister Philipp Rösler
hätte das nicht passieren können, grinste Wührl. Glatt
wie ein Zäpfchen könnte der durch die engsten
Gitterstäbe entkommen.
Auch der Fall des Arabers, der nach dem ersten Blick
hinter den Schleier seiner Frau eine schielende Gattin
mit Damenbart entdeckte und postwendend die Hochzeit
annullierte, beschäftigte den Kabarettisten. Das sei
schon aweng wie mit der schwarzgelben Regierungsehe. Die
beiden Parteien wären ja auch verschleiert vor den Altar
getreten und hätten – allen voran die alte Erbtante der
Union – erst im Nachhinein gepeilt, was für
Pappschachteln sie geheiratet hätten.
Traditionell gab es auch für die heimischen Politiker
kein Entrinnen vor Wührls humorigen Rundumschlägen.
Grinsend bemerkte er, dass „das Muttertier der
Bayreuther Frauenunion“, Altstadträtin Elisabeth
Bauriedel, anscheinend über die Frauenquote ihr linkes
Herz entdeckt habe. Was bei den Leistungen der Union ja
auch kein Wunder sei. Die Hoffnung auf die Entfaltung
wahrer Talente sah der Hausmann indes bei
Oberbürgermeister Dr. Michael Hohl. Der habe am Fasching
mit seiner glänzend gereimten Laudatio auf Sissy Thammer
durchblicken lassen, dass Büttenreden seine wahre
Bestimmung sein könnten.
Seine Schlagfertigkeit bewies der wischtuchschwingende
Wührl im Dialog mit seinen Anhängern, die ihm – ganz mit
olympischem Sportgeist – aus ausgeteilten Zeitungen
Steilvorlagen für spontanen Spott lieferten. Auf die
Tour käme er zu neuen Ideen, schmunzelte Wührl, der als
„opportunistischer Themenschleimer“ somit eine Art
„Westerwelle des Kabaretts“ sei. Überhaupt sei man ja
momentan dabei, ein Programm zu entwickeln, das
Zeitungsschlagzeilen eigenständig in kabarettistische
Texte umwandelt. Erste Versuche hätten viel Applaus
geerntet, grinste Wührl. Allerdings habe man schnell
gemerkt, dass die humorigen Texte nur die Protokolle aus
dem Hollfelder Stadtrat gewesen seien, setzte er unter
dem brüllenden Gelächter im Bechersaal hinzu.
Neben der Schlagzeile „Deutsch mit Westerwelle“ („Das
ist wie ;Wer wird Millionär‘ mit Heidi Klum – das passt
nicht zusammen“), faszinierte den Komiker vor allem der
Titel „Rote Laterne hängt weiterhin in der Saas“. Das
sei keine Überschrift aus dem Sportteil, sondern
vielmehr aus der Rubrik Bekanntschaften, schmunzelte
Klaus Wührl. „Die hängen am Abend die rote Laterne raus,
dann kannst du dir für zwei Stunden einen Spieler
mieten.“
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Original-Bericht des Nordbayerischen Kuriers
Mit freundlicher Genehmigung des Nordbayerischen Kurier,
Bayreuth